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Webinar-Themenblock · KI im Marketing und Verkauf

Was LinkedIn über dich weiss

LinkedIn bewertet seine Mitglieder: nach Bekanntheit, nach Fachwissen, nach Kaufkraft. Wer den eigenen Datenexport liest, sieht diese Einordnung schwarz auf weiss. Dieser Block zeigt, wie die Analyse funktioniert, welche Prompts dabei helfen und wie daraus eine Strategie wird.

Von
Janet Zentel und Roger Basler de Roca
Dauer
ca. 45 Minuten
Voraussetzung
eigener LinkedIn-Export
Werkzeug
ein KI-Assistent mit Datei-Upload

00 · Video

Das Video zum Daten-Check

Janet und Roger zeigen Dir Schritt für Schritt, wie Du Deinen Export liest und was die Scores bedeuten.

Ausgangspunkt

Plattformen lesen Profile anders als Menschen

Wer auf LinkedIn als Expert:in gelten will, wird zuerst von einer Maschine eingeordnet. Erst danach von Menschen.

Ein Mensch liest eine Headline und glaubt sie. Ein Modell vergleicht: Was steht in den Positionen? Worüber schreibt die Person seit Jahren? Wer bestätigt das? Wenn diese Signale auseinanderlaufen, gewinnt die Vergangenheit gegen die Selbstbeschreibung.

Das hat Folgen für Sichtbarkeit, Suche und Empfehlungen. Wer seine Positionierung verändert hat, etwa vom Marketing zur KI oder von der Linie zur Beratung, wird oft noch Jahre später in der alten Rolle gelesen. Der Datenexport macht diese Verzögerung sichtbar und messbar.

Schritt 1

Den Export anfordern und sortieren

  1. 1
    Gesamtarchiv anfordern: Direkt über linkedin.com/mypreferences/d/download-my-data oder Einstellungen und Datenschutz, Bereich Datenschutz, "Kopie Ihrer Daten abrufen". Das grössere Archiv wählen, nicht nur einzelne Kategorien. Die Bereitstellung dauert bis zu 24 Stunden.
  2. 2
    Die Profiling-Dateien herausziehen: Das Archiv enthält oft über 60 Dateien. Für die Analyse zählen nur wenige; die Tabelle unten zeigt welche.
  3. 3
    Vor dem Upload bereinigen: Telefonnummern, Logins mit IP-Adressen, Nachrichten und Kontakte nicht an ein KI-Tool geben. Sie sind für die Analyse unnötig.
DateiWas sie zeigtWofür
Inferred Credibility Scores.csvBekanntheits- und Fachwissens-Scores, mit Datum pro MessungWie LinkedIn deine Expertise einstuft
Inferences_about_you.csvAbgeleitete Interessen und Merkmale, mit ErklärungWas LinkedIn über dich vermutet
Ad_Targeting.csvWerbesegmente, Interessen, Skills, StandorteWie du an Werbetreibende verkauft wirst
LAN Ads Engagement.csvWerbung, die dir ausserhalb von LinkedIn gezeigt wurdeWie weit dein Profil reicht
Positions.csv, Skills.csv, Honors.csv, Publications.csvStruktur deines ProfilsUrsachen der Scores finden
Recommendations_Received.csv, Endorsement_Received_Info.csvBestätigung durch DritteValidierung prüfen
Ordner ArticlesDeine Langform-Beiträge und Newsletter-AusgabenThemenschwerpunkt über die Zeit

Nicht jedes Konto enthält jede Datei. Die Credibility Scores tauchen in Exporten erst seit 2026 auf und fehlen bei manchen Konten.

Schritt 2

Herleitung: Woher die Punkte kommen

Die Score-Datei ist eine lange Tabelle. Jede Zeile ist eine Bewertung, jede Spalte ein Messzeitpunkt. So sieht der Aufbau aus (Werte erfunden):

ScoreType,Topic,Category,Range,2026-09-14,2026-08-17
Notability,,Event speaker,0-5 (integer),3,3
Notability,,Honors,0-5 (integer),1,1
Notability,,Aggregated notability score,0-5 (continuous),1.62,1.70
Knowledge,AI Tools & Applications,Topic score,,-0.79,0.33
Knowledge,AI Tools & Applications,Topic normalized score,"1-4 (continuous, 2 decimals)",2.31,2.52
Knowledge,Digital Strategy,Role and scope,1-4 (integer),4,4
Knowledge,Digital Strategy,Validation and influence,1-4 (integer),3,3
Beispiel zur Veranschaulichung, keine echten Daten.
  1. 1
    Notability: Wie sichtbar bist du? Zehn Teilwerte von 0 bis 5, etwa Event speaker, Honors, Media recognition, Thought leadership. Daraus entsteht ein Gesamtwert und eine Stufe von 1 bis 4.
  2. 2
    Knowledge pro Thema: Wofür stehst du? Über hundert Themen aus einer festen Liste. Pro Thema ein Rohwert und ein normierter Wert von 1 bis 4. Der Rohwert schwankt um null: Er misst dich offenbar relativ zum Durchschnitt aller Mitglieder.
  3. 3
    Fachgebiete: Wie belastbar ist die Expertise? Für einige wenige Fachgebiete fünf Prüfdimensionen: Role and scope, Tenure and experience, Content and output, Education and credentials, Validation and influence.

Welcher Profilbereich welchen Score speist

Die Kategorien passen auffällig genau zu einzelnen Profilbereichen. Diese Zuordnung ist hergeleitet, nicht von LinkedIn bestätigt.

Positions, Headline →

Role and scope, Tenure

Was du seit wann machst

Articles, Posts, Kommentare →

Content and output, Topic scores

Worüber du tatsächlich schreibst

Education, Certifications →

Education and credentials

Formale Nachweise

Recommendations, Endorsements →

Validation and influence

Wer dich bestätigt

Honors, Publications →

Honors, Academic contributions

Strukturierte Belege

Featured, Medienlinks →

Media recognition

Erwähnungen, die maschinenlesbar sind

Worauf es beim Lesen ankommt

  • Verlauf statt Einzelwert. Fallen viele Themen am selben Tag, hat LinkedIn neu kalibriert. Fällt nur dein Kernthema, liegt es an dir.
  • Abstand zwischen Selbstbild und Score. Das Thema, für das du gebucht werden willst, sollte zu deinen drei höchsten gehören.
  • Die tiefste Prüfdimension. Meist ist es Validation. Rolle und Erfahrung sind oft gut, Fremdbestätigung fehlt.

Einordnung

Was belegt ist und was nicht

LinkedIn legt die Scores im Export offen, erklärt sie aber nirgends. Belegt ist das Umfeld: welche Profildaten das Ranking nutzt und wie Werbung ausgesteuert wird.

AussageStatusGrundlage
Das Feed-Ranking nutzt Berufserfahrung, Skills, Ausbildung und HeadlineoffiziellLinkedIn Engineering Blog, März 2026
Demografische Merkmale fliessen nicht ins Ranking einoffiziellLinkedIn Engineering Blog, März 2026
Ältere Interaktionen verlieren nach rund 60 Tagen die Hälfte ihres EinflussesoffiziellForschungspapier, Februar 2026
Profildaten werden standardmässig für KI-Training genutzt (Widerspruch möglich)offiziellDatenschutzrichtlinie, seit 3. November 2025, auch für die Schweiz
Abgeleitete Interessen werden an Werbetreibende vermarktetoffiziellBeschreibungen in der Datei selbst
Die Credibility Scores beeinflussen Suche, Feed oder EmpfehlungenHypotheseNaheliegend, aber nicht dokumentiert
Profilbereiche speisen die einzelnen PrüfdimensionenHypotheseHergeleitet aus Struktur und Werten

Schritt 3

Prompts für die Analyse

Alle Prompts folgen dem GCES-Schema. Sie funktionieren in jedem KI-Assistenten, der CSV-Dateien lesen kann. Reihenfolge einhalten: Jeder Prompt baut auf dem Ergebnis des vorherigen auf.

GZielCKontextEFormatSQuelle

Prompt 1 · Inventar

Was steckt in meinem Export?

Ziel: Verschaffe mir einen Überblick über meinen LinkedIn-Datenexport.
Kontext: Ich lade dir die Dateien hoch. Mich interessiert nur, was LinkedIn über mich ableitet oder bewertet, nicht meine Kontakte oder Nachrichten.
Format: Tabelle mit Spalten Datei, Inhalt in einem Satz, Anzahl Zeilen, Relevanz fürs Profiling (hoch/mittel/tief).
Quelle: Nur die hochgeladenen Dateien. Wenn eine Datei fehlt, sag es, statt zu raten.

Prompt 2 · Scores

Wie bewertet mich LinkedIn?

Ziel: Lies die Datei "Inferred Credibility Scores.csv" aus und erkläre meine Einstufung.
Kontext: Jede Spalte ab der fünften ist ein Messdatum, die neueste steht links. Leere Zellen heissen: an diesem Tag nicht gemessen.
Format:
1. Notability: alle Teilwerte, Gesamtwert, Stufe, Veränderung seit der ersten Messung.
2. Knowledge: die 10 höchsten und 5 tiefsten Themen (normierter Wert, neueste Messung).
3. Fachgebiete: Tabelle mit den fünf Prüfdimensionen pro Fachgebiet.
4. Auffälligkeiten: Welche Werte haben sich verändert, und betrifft das viele Themen gleichzeitig?
Quelle: Nur die Datei. Rechne mit Code, nicht im Kopf.

Prompt 3 · Herleitung

Woher kommen meine Werte?

Ziel: Finde für jeden auffällig tiefen oder hohen Score eine plausible Ursache in meinem Profil.
Kontext: Vergleiche die Scores mit Positions, Skills, Honors, Publications, Certifications, Recommendations_Received und dem Ordner Articles (Themen nach Jahr).
Format: Tabelle Score, Wert, vermutete Ursache, Beleg aus der Datei. Kennzeichne jede Ursache als "belegt" (direkt aus den Daten ablesbar) oder "Hypothese".
Quelle: Nur meine Dateien. Keine Annahmen über LinkedIns Algorithmus als Tatsache darstellen.

Prompt 4 · Werbeprofil

Wie werde ich verkauft?

Ziel: Zeig mir, wie LinkedIn mich für Werbetreibende einordnet.
Kontext: Dateien Ad_Targeting, Inferences_about_you, LAN Ads Engagement.
Format: (1) Segmente und abgeleitete Merkmale, die mich überraschen könnten. (2) Interessen und Skills, die nicht zu mir passen. (3) Wo ausserhalb von LinkedIn mir Werbung gezeigt wurde. (4) Welche Einstellungen ich unter "Werbedaten" anpassen kann.
Quelle: Nur die Dateien. Bei Einstellungen nur nennen, was du sicher weisst, sonst als offen markieren.

Prompt 5 · Lücke

Wo stehe ich, wo will ich hin?

Ziel: Vergleiche meine LinkedIn-Einstufung mit meiner Zielpositionierung.
Kontext: Ich will wahrgenommen werden als [ROLLE] für [THEMA], meine Zielgruppe sind [ZIELGRUPPE]. Nutze die Ergebnisse aus den vorherigen Schritten.
Format: (1) Abstand zwischen Selbstbild und Score pro Kernthema. (2) Die drei grössten Lücken, sortiert nach Wirkung. (3) Für jede Lücke: Hebel im Profil und Hebel im Content.
Quelle: Meine Daten und meine Angaben oben. Wo du schätzt, sag es.

Prompt 6 · Profil

Was ändere ich zuerst?

Ziel: Erstelle eine Checkliste für mein Profil, die meine Lücken schliesst.
Kontext: Die Zielpositionierung und Lücken aus dem vorherigen Schritt. Umsetzung innert 30 Tagen.
Format: Checkliste mit Bereich (Headline, Positionen, Skills, Honors, Publications, Featured, Empfehlungen, Zertifikate), konkreter Änderung und welchem Score sie hilft. Für die Headline drei Varianten unter 220 Zeichen.
Quelle: Nur Angaben, die in meinem Profil oder von mir belegt sind. Nichts erfinden.

Prompt 7 · Themen

Welche Themenblöcke brauche ich?

Ziel: Entwickle 4 bis 5 Themenblöcke für meinen LinkedIn-Auftritt.
Kontext: Zielpositionierung und Lücken wie oben. Alte Themen, die nicht mehr passen, sollen nur noch als Anwendungsfeld des Kernthemas vorkommen.
Format: Tabelle Block, Kernfrage, Anteil in Prozent, welcher Score davon profitiert. Danach pro Block 6 Inhaltsideen, die auf meiner echten Arbeit beruhen (Projekte, Methoden, Erfahrungen).
Quelle: Meine Artikel und Positionen als Material. Keine generischen Ideen ohne Bezug zu mir.

Prompt 8 · Messung

Woran merke ich, dass es wirkt?

Ziel: Erstelle einen Messplan für die nächsten 12 Monate.
Kontext: Ich mache alle drei Monate einen neuen Export. Die heutigen Werte aus Prompt 2 sind der Ausgangspunkt.
Format: Tabelle Kennzahl, Wert heute, Ziel in 6 Monaten, Ziel in 12 Monaten. Ergänze eine Geschäftskennzahl (zum Beispiel Anfragen über LinkedIn), die ich selbst erfassen muss.
Quelle: Meine Scores. Ziele realistisch setzen und kurz begründen.

Schritt 4

Von der Analyse zur Strategie

Die Analyse beantwortet, wie LinkedIn dich liest. Die Strategie entscheidet, wie du das in zwölf Monaten verschiebst. Das Profil wirkt schnell, Inhalte wirken langsam. Deshalb kommt das Profil zuerst.

Woche 1

Ausgangslage

Scores, Lücken und Ursachen festhalten. Das ist der Basiswert für jede spätere Messung.

Woche 1 bis 2

Zielbild

Ein Positionierungssatz, eine Kernfrage, drei Zielgruppen in klarer Reihenfolge.

Woche 2 bis 6

Profil-Hebel

Headline, Positionen, Skills, Honors, Publications. Empfehlungen gezielt einholen.

ab Woche 4

Themenblöcke

4 bis 5 Blöcke mit festem Anteil. Jeder Beitrag gehört zu genau einem Block.

laufend

Rhythmus

3 bis 4 Beiträge pro Woche, Formate fest zugeordnet, täglich gezielt kommentieren.

alle 3 Monate

Messung

Neuer Export, gleiche Werte vergleichen, Anteile der Blöcke nachjustieren.

Beispiel: eine fiktive Treuhänderin

Sie will als Expertin für KI in der Buchhaltung gebucht werden. Der Export zeigt: "Accounting" bei 3.4, "AI Tools" bei 1.9, Validation bei 2. Ihre Positionen beschreiben 15 Jahre klassische Treuhand, kein einziges Projekt mit KI.

BefundProfil-HebelContent-Hebel
KI kommt im Profil nicht vorAktuelle Position um zwei KI-Projekte ergänzen, Top-Skills umstellenBlock "KI im Monatsabschluss" mit 30 % Anteil
Validation tiefFünf Kund:innen um Empfehlungen bitten, die KI konkret nennenFallbeispiele mit Freigabe, Kund:innen markiert
Fachwissen stark, aber altBisherige Positionen als Fundament formulierenBlock "Was KI in der Buchhaltung nicht kann" verbindet beides
Fiktives Beispiel für das Webinar.

Vorsicht

Grenzen der Analyse

Hinweis

Die Scores sind nicht dokumentiert. Jede Erklärung, wie sie entstehen und wofür sie verwendet werden, ist eine Herleitung. Sie kann sich mit jedem Modell-Update ändern.

  • Relativ, nicht absolut. Wenn alle besser werden, kann dein Wert sinken, obwohl du dich verbessert hast.
  • Neukalibrierung. LinkedIn verändert Gewichtungen ohne Ankündigung. Erst über mehrere Exporte zeigt sich ein Trend.
  • Nicht optimieren um jeden Preis. Ein Score ist ein Spiegel, kein Ziel. Wer nur für die Maschine schreibt, verliert die Menschen.
  • Datenschutz. Der Export ist sensibel. Nur die nötigen Dateien hochladen, im Zweifel ein KI-Tool ohne Training auf Nutzerdaten verwenden.

Die Plattform liest deine Geschichte, bevor sie deine Headline glaubt. Wer seine Positionierung ändern will, muss beides verändern.

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FAQ

Häufige Fragen

Ja. Jedes Mitglied kann den eigenen Export jederzeit kostenlos anfordern. Das vollständige Archiv ist in der Regel innert 24 Stunden bereit.

Die Datei taucht erst seit 2026 in Exporten auf und ist nicht bei allen Konten enthalten. Fordere das grössere Gesamtarchiv an, nicht nur einzelne Kategorien. Fehlt sie trotzdem, funktionieren die Prompts 1, 4 und 5 bis 7 auch ohne Scores.

Jeder Assistent, der CSV-Dateien lesen und Code ausführen kann, zum Beispiel ChatGPT, Claude oder Gemini. Wichtig ist, dass er rechnet statt schätzt. Für sensible Daten ein Tool oder einen Tarif ohne Training auf Nutzerdaten wählen.

Nur die nötigen Dateien. Nachrichten, Kontakte, Telefonnummern und Logins mit IP-Adressen gehören nicht in ein KI-Tool. Sie sind für die Analyse unnötig.

Indirekt ja: über Profil und Inhalte. Das Profil wirkt schnell, Inhalte wirken langsam. Weil die Scores relativ sind, zeigt sich ein echter Trend aber erst über mehrere Exporte.

Alle drei Monate. So siehst du, ob sich deine Positionierung verschiebt, und erkennst Neukalibrierungen, wenn viele Themen am selben Tag fallen.

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Über die Autor:innen

Janet Zentel und Roger Basler de Roca

Dieser Themenblock entstand im Rahmen von KI-Power.me: praktische KI für den Arbeitsalltag, kompakt, anwendbar und ohne Hype.

Janet Zentel

Co-Host des Podcasts "KI Kann ich" und Teil von KI-Power.me.

Roger Basler de Roca

KI-Berater, Keynote Speaker, Dozent und Buchautor aus Zürich. Er begleitet über 60 Unternehmen bei der Einführung von KI, hält jährlich über 100 Keynotes und unterrichtet an mehreren Schweizer Hochschulen. Über 14 Bücher.

"Künstlich ist die Maschine. Intelligenz muss vom Menschen kommen."

Quellen